Winckelmann


Porträt Winckelmanns, von Angelika Kauffmann (1764)

Johann Joachim Winckelmann
1717-1768

Edle Einfalt, stille Größe.
~
Noble simplicity and quiet grandeur.

Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) war ein deutscher Kunsthistoriker, der als Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft gilt. Geboren in Stendal in ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Schusters, arbeitete er sich durch Bildung zum Bibliothekar im Schloss Nöthnitz und Gelehrten in Rom hoch, wo er als Präsident der päpstlichen Altertümer die zentrale Figur für den Klassizismus einnahm, bevor er auf einer Rückreise in Triest ermordet wurde. 

Lebensstationen:

  • Geburt & Jugend (1717-1742): Geboren am 9. Dezember 1717 in Stendal, lernte er dank Förderung an der Lateinschule und studierte Medizin und Theologie.
  • Nöthnitz, Dresden & Erste Werke (1748-1755): Er wurde Bibliothekar bei Graf von Bünau auf Schloss Nöthnitz und veröffentlichte 1755 sein erstes großes Werk „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und der Bildhauerkunst“.
  • Rom & Hauptwerk (1755-1768): Er zog nach Rom, arbeitete für Kardinäle, unternahm Reisen nach Pompeji und Neapel und verfasste sein Hauptwerk „Geschichte der Kunst des Altertums“ (1764).
  • Tod: 1768 wurde er auf der Rückreise von Deutschland in Triest Opfer eines Raubmordes. 

Ausführliche Biografie:  http://johann-joachim-winckelmann.de/winckelmann-biographie/


Winckelmann zu Schloss Nöthnitz:

„Die Freyheit, welche ich hier genoßen, find ich an keinen andern Ort wieder.“ Brief vom 29.3.1753 an seinen Freund Uden.

Winckelmann war beeindruckt von der Nöthnitzer Bibliothek:

„Die Bibliothek ist ganz fürstlich. Es ist nicht ein einziger Saal von 40 Ellen, sondern noch einer darüber, doch nicht so hoch wie der untere. Die Bücher sind alle in Englischen Bänden, auch die kleinsten Stücke. […] Es sind die kostbarsten Werke ad hist. nat., die größten Beschreibungen der größten Cabinetter in der Welt. Die besten Poeten in allen Sprachen; die schönsten Editionen, ja alle nur mögliche von lat. u. gr. Scribenten; alle Journale die nur zu erdenken sind.“                
Brief vom 14.9.1748 an seinen Freund Uden.

Die vorrangige Aufgabe Winckelmanns in Nöthnitz war die Materialsammlung und -auswertung für das große Geschichtswerk Bünaus, die „Teutsche Kayser- und Reichshistorie“. 1728–1743 veröffentlichte Bünau in vier Bänden das Werk über die deutsche Geschichte von der Germanenzeit bis zum Jahre 918. … Durch diese Arbeit erwarb Winckelmann wichtige Erfahrungen im Umgang mit historischen Zeugnissen und Grundkenntnisse in der Quellenkritik. In diesem Kontext hat er sich auch intensiv mit der Zeitgeschichte und der Literatur der französischen und englischen Aufklärung beschäftigt. Von besonderem Interesse waren für ihn jedoch die antiquarischen Stichwerke, in denen die antike Kunst und Kultur vorgestellt und beschrieben wurde.

Quelle: https://www.winckelmann-gesellschaft.com/johann-j-winckelmann/


Schloss Nöthnitz ist in Deutschland die einzige erhaltene Wirkungsstätte von
 Johann Joachim Winckelmann,
dem großen Kunstgelehrten und Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstwissenschaften.


Der Journalist Thomas Grasberger
von Bayern 2 war auf den Spuren Winckelmanns unterwegs in Stendal, Nöthnitz und Dresden.
Das Feature zu Winckelmann wurde
am 3. Januar 2022 im Radioprogramm von Bayern 2 gesendet.



Winckelmann-Ehrung auf
Schloss Nöthnitz (2017/2018)

Die Zeit des Altertumsforschers in Nöthnitz und Dresden

Der in Stendal/Altmark geborene Johann Joachim Winckelmann fühlte sich zwar zum Pädagogen berufen, aber das Lehrerdasein in Preußen brachte ihm nicht die erhoffte Erfüllung. Im Alter von 30 Jahren musste er feststellen, dass er sich ohne Protektion und ohne finanzielle Mittel in einem Teufelskreis drehte. Am 16. Juni 1748 bewarb er sich um die Bibliothekarsstelle auf dem Bünauischen Gut Nöthnitz bei Bannewitz. Der Name Heinrich Graf von Bünau – Besitzer einer mehr als 40.000 Bände umfassenden Universalbibliothek und Verfasser der Teutschen Kayser- und Reichs-Historie – war Winckelmann bereits geläufig. Er wünschte nichts sehnlicher, als der Wissenschaft zu dienen. Bereits nach wenigen Wochen erhielt er die Zusage des Grafen – der Teufelskreis schien durchbrochen! Voller Erwartung traf Winckelmann am 8. September 1748 auf dem landschaftlich reizvoll gelegenen Renaissanceschloss Nöthnitz ein. Als zweiter Gehilfe arbeitete er zunächst an Bünaus Reichs-Historie. Anleitung gab der Bibliothekar Johann Michael Francke, der selbst an dem neuartig strukturierten Catalogus Bibliothecae Bunavianae arbeitete. So erwarb Winckelmann wichtige Fertigkeiten im Umgang mit historischen Quellen und Dokumenten.

„Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Biblithek“ (1874) (Gemälde von Theobald von Oer)
In: Museumsführer Studienstätte Schloß Nöthnitz e.V. (S. 12/13),

Bald galt er als sachkundiger Gesprächspartner und führte die zahlreichen Gäste durch die Salons der Bibliothek. Sein Traum war ein Studienaufenthalt in der Ewigen Stadt Rom. Dieser Traum wurde genährt durch den in Dresden akkreditierten päpstlichen Botschafter. Kardinal Archinto stellte Winckelmann eine Stelle an der Vatikanischen Bibliothek in Aussicht – unter einer Bedingung: die Konversion des Protestanten zum katholischen Glauben.

Der Studienaufenthalt in Rom war mit einem Stipendium von 200 Talern zunächst für ein Jahr gedacht. Dafür erwartete der Dresdner Hof über Neuigkeiten aus den Grabungsstätten am Vesuv informiert zu werden. Zweifel an der Richtigkeit seines Vorhabens ließen Winckelmann den Glaubenswechsel drei Jahre lang aufschieben. Schließlich wurde am 11. Juli 1754 der „kühnste Schritt“, den er je in seinem Leben getan hatte, vollzogen. Archinto hatte vor seiner Rückbeorderung nach Rom erfolgreich einen Protestanten bekehrt.

Das Bildnis Johann Joachim Winckelmann stammt von der Malerin Angelika Kauffmann und ist auf das Jahr 1764 (Kunsthaus Zürich) datiert.

Anfang Oktober 1754 siedelte Winckelmann ins nahe Dresden über. An die Stelle antiquierter Büchergelehrsamkeit trat nun die lebendige Begegnung mit der bildenden Kunst. In der Königlichen Gemäldegalerie führte der Galerieinspektor Riedel Besucher durch die Sammlungen italienischer und niederländischer Kunstwerke. Hatte sich Johann Winckelmann – wie er sich kurz nannte – bisher überwiegend Sprachen und Geschichte gewidmet, entwickelte er sich nun selbst zum Schriftsteller. Mit seinem unvollendet gebliebenen Essay Beschreibung devorzüglichen Gemälde der Dreßdner Gallerie (1752) verband er die Absicht, junge Adlige in Form eines Sendschreibens auf die einzigartigen Kunstwerke aufmerksam zu machen. Winckelmann kreierte einen völlig neuen Stil. So enthalten die Bildbeschreibungen neben dem mythischen Szenario auch die Schilderung menschlicher seelischer Vorgänge. Der in der Dresdner Neustadt, Königstraße 10, wohnende Adam Friedrich Oeser nahm Winckelmann als Pensionär auf. Der Maler Oeser schulte „das Auge“ seines Mitbewohners.

Zum Schlüsselerlebnis für Winckelmanns These vom Vorrang der griechischen Kunst wurden drei Gewandstatuen aus der kurfürstlichen Antikensammlung. Begeistert beschrieb er die „Herkulanerinnen“ mit künstlerischer Feder: „Die drei Vestalen [heute im Depot des Albertinum zu sehen] sind unter einem doppelten Titel verehrungswürdig. Sie sind die ersten großen Entdeckungen von Herculaneum: allein was sie noch schätzbarer macht, ist die große Manier in ihren Gewändern.“ Auf Anraten des Premierministers Heinrich von Brühl widmete Winckelmann seine Schrift Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauerkunst (1755) dem Kurfürsten Friedrich August II. Mit einer Auflage von 50 Exemplaren zunächst nur für Freunde gedacht, wurde bald eine zweite Auflage notwendig. Der Leipziger Literaturtheoretiker und Schriftsteller Johann Christoph Gottsched war begeistert. Er lobte nicht nur Witz, Belesenheit und Kenntnis des Verfassers, sondern auch „seine natürliche Lebhaftigkeit“.

Aufgrund des Erfolges äußerte der Kurfürst wohlwollend: „Dieser Fisch soll in sein rechtes Wasser kommen“. Das Stipendium für einen nunmehr zweijährigen Romaufenthalt war gesichert. Zuversichtlich trat der Kunstschriftsteller Winckelmann am 24. September 1755 seine Reise an. Am 18. November erreichte er die Ewige Stadt. Ein neues Zeitalter hatte begonnen! – Drei Jahre später schrieb er dem befreundeten Bibliothekar Francke nach Nöthnitz: „In Rom, glaub´ ich, ist die hohe Schule für alle Welt“.

Klaus-Werner Haupt
aus Dresden-Lese unter:  
Johann Joachim Winckelmann 


Übrigens:
Weitere Informationen im Zusammenhang mit der wunderbaren Ausstellung in Dresden aus dem Jahr 2018 befinden sich auf den WEB-Seiten der SLUB..

„Man denkt noch beständig in Dresden auf mich.“
Winckelmann – Bibliothekar und Altertumswissenschaftler – Ausstellung der
Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, 2018

LINK: SLUB: „Man denkt noch beständig in Dresden auf mich.“ Winckelmann – Bibliothekar und Altertumswissenschaftler